Beschlussvorschlag:
Der Kreistag Ludwigslust-Parchim möge beschließen:
Der Kreistag spricht sich dafür aus, eine Präventionsinitiative in Bezug auf die steigenden Zahlen bei häuslicher Gewalt ins Leben zu rufen.
Der Kreistag bittet die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Fachdienst 16
1. zu prüfen wie mit den bereits vorhandenen Mitarbeitern eine zentrale Schnittstelle zur Koordinierung der Präventionsinitiative eingerichtet werden kann, um die Zusammenarbeit zwischen Kreis, Trägern, Schulen, Beratungsstellen und Vereinen wirksam zu gestalten und die Bekanntheit niedrigschwelliger Hilfsangebote deutlich zu verbessern.
2. eine Übersicht über die erfolgreichen Präventionsmaßnahmen aus den Jahren 2020 – 2023 in Bezug auf das Thema „häusliche Gewalt“ zu erstellen und einen Plan für die Neuauflage dieser Aktionen für die nächsten zwei Jahre zu entwerfen.
Problembeschreibung/Begründung:
Die Präventionsinitiative ist angesichts der steigenden Fallzahlen bei häuslicher Gewalt, der Überlastung der Interventionsstellen und der nachweisbaren Wirksamkeit koordinierter
Präventionsmaßnahmen dringend notwendig. Sie muss schnell umgesetzt werden, um weitere Opfer zu vermeiden und die Lebensqualität im Landkreis nachhaltig zu sichern.
Es wurden bereits erfolgreiche Maßnahmen in der Vergangenheit umgesetzt. Diese Maßnahmen sind bis zum Jahr 2023 auf der Webseite des Landkreises nachzulesen.Bereits
erfolgreich durchgeführte Konzepte können somit reaktiviert werden.
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Beispielhaft waren folgende erfolgreiche Aktionen:
● 2021: Die Grundschule Crivitz erhielt das Qualitätssiegel „Sicherheit macht Schule“ für ihre vorbildliche Präventionsarbeit in den Bereichen Gewaltprävention, Verkehrserziehung und Suchtprävention. Die Bewerbung für das Siegel erfolgte bereits 2020, die offizielle Verleihung wurde coronabedingt auf 2021 verschoben.
● 18. März 2021: Im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ fand ein Aktionstag gegen Alltagsrassismus unter dem Motto „Vorsicht Vorurteile!“ statt. Die
Resonanz auf diese Aktion wurde von den Organisatoren als sehr positiv bewertet.
● 2021: Die Bäckertüten-Aktion war Teil des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ und diente mit 75.000 bedruckten Bäckertüten dazu, möglichst viele Bürgerinnen und Bürger niedrigschwellig zu erreichen und für Themen wie Alltagsrassismus, Extremismusprävention und Gewaltfreiheit zu sensibilisieren.
● 2022/2023: Der Kommunale Präventionsrat förderte Präventionstage zu Themen wie Jugendkriminalität, Gewalt gegen Frauen und Integration. Das Motto 2023 lautete „Face 2 Face – von Angesicht zu Angesicht“.
Im Rahmen der neu aktivierten Präventionsinitiative sollte bei der Erstellung des nächsten Doppelhaushaltes geprüft werden, ob z.B. Haushaltsreste für die Wiederbelebung dieser
Präventionsmaßnahmen eingesetzt werden können.
1. Steigende Fallzahlen bei häuslicher Gewalt
Die Polizeiliche Kriminalstatistik 2024 für den Landkreis zeigt, dass die Fallzahlen bei häuslicher Gewalt deutlich gestiegen sind: Während 2023 noch 566 Fälle bearbeitet wurden,
waren es im Jahr 2024 bereits 672 – ein Anstieg um rund 19 Prozent. Besonders besorgniserregend ist, dass den Opfern nach den Vorfällen zwar Hilfe angeboten wird, die
Interventionsstellen jedoch bereits jetzt an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen.
2. Unzureichende personelle Ressourcen und regionale Herausforderungen Das Hilfsnetzwerk im Landkreis berichtet von einem dramatischen Anstieg der Fallzahlen,
während die personellen Ressourcen nicht mitwachsen. Die Beratungsstellen sind überlastet, Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit bleiben auf der Strecke – gerade diese sind
jedoch essentiell, um Gewalt frühzeitig zu verhindern und Betroffene zu erreichen.
Besonders in Flächenkreisen wie LUP erschweren lange Wege und mangelnde Erreichbarkeit den Zugang zu Hilfsangeboten für viele Betroffene, was die Notwendigkeit einer zentral koordinierten und niedrigschwelligen Präventionsstruktur unterstreicht.
3. Prävention wirkt – aber nur, wenn sie koordiniert und nachhaltig erfolgt
Wissenschaftliche Studien zeigen, dass entwicklungsorientierte Präventionsmaßnahmen mittel- bis langfristig positive Effekte erzielen und die Kriminalitätsraten um 10 bis 20 Prozent
senken können. Besonders im Jugendbereich können gezielte Präventionsangebote dazu beitragen, kriminelle Karrieren frühzeitig zu unterbrechen und so die Zahl der Straftaten
nachhaltig zu reduzieren. Die Wirksamkeit solcher Maßnahmen ist jedoch abhängig von einer engen Zusammenarbeit zwischen Kreis, Trägern, Schulen, Beratungsstellen und
Vereinen sowie einer zentralen Koordinierungsstelle, die die Aktivitäten bündelt und steuert.
Quellen:
NDR Mehr Personal für Interventionsstellen bei häuslicher Gewalt
Deutsches Forum für Kriminalprävention Entwicklungsförderung und Gewaltprävention
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LUP Stabsstelle Gleichstellung, Generationen und Vielfalt LUP
Polizeipräsidium Rostock Polizeiliche Kriminalitätsstatistik MV